Das Unterbewusstsein führt in eine Situation aus der Vergangenheit
Ihr Unterbewusstsein führt sie in eine Situation aus der Vergangenheit, in der sie eine Abtreibung hat vornehmen lassen. Der Eingriff ist bereits vorüber und sie liegt ermattet in einem Bett. Sie spürt Harndrang und bittet eine Schwester, sie zur Toilette zu begleiten. Die Schwester sagt zu ihr: „Wenn Sie jetzt zur Toilette gehen, dann werden sie immer Schmerzen haben.“ Ausserdem vermittelt die Schwester durch ihre Haltung und Ausdrucksweise, dass sie der Frau missbilligend gegenübersteht. Annas Harndrang ist so stark, dass sie trotz der Worte der Schwester zur Toilette geht.
Sie hat diese Szene komplett aus ihrem Bewusstsein verdrängt. Wir holen das unbewusste Material langsam, Schritt für Schritt, an die Oberfläche, damit sie genau versteht, was damals passiert ist und welchen Zusammenhang es gibt zwischen ihren chronischen Schmerzen und der Situation, die sie erlebt und verdrängt hat. Wir arbeiten alles durch und ich bitte sie, den Satz „Wenn sie jetzt zur Toilette gehen, dann werden sie immer Schmerzen haben“ aus ihrem energetischen System herauszubringen. Sie tut dies und atmet alle Fremdenergie aus.
Als Anna in die nächste Stunde kommt, berichtet sie aufgeregt, die Schmerzen seien verschwunden. Auch in den Monaten danach bleibt Anna schmerzfrei. Sie ist überrascht, dass ihre Schmerzen „nur“ durch diese Arbeit, ohne Medikamente und sonstige Eingriffe, verschwunden sind.
Das, was Anna in der Situation mit der Krankenschwester erlebt hat, nennt man ein Trauma. Ein Trauma ist ein Ereignis, bei dem es einen seelischen Schock gegeben hat und das nicht in das psychische System des betreffenden Menschen integriert werden kann. Oft werden traumatische Erlebnisse verdrängt und machen sich später durch körperliche oder psychische Symptome bemerkbar. Das körperliche Symptom erzählt sozusagen die Geschichte, die der betreffende Mensch vergessen hat. In Annas Fall erzählten ihre chronischen Unterleibsschmerzen die Geschichte, die sie im normalen Wachbewusstsein nicht mehr erinnerte.
Verdrängte Erlebnisse machen sich später als körperliche Symptome oder psychische Störungen bemerkbar.
Wir alle haben Traumata erlebt. Oft verdrängen wir traumatische Erlebnisse. Die verdrängten Erlebnisse machen sich zu einem späteren Zeitpunkt als körperliche Symptome oder psychische Störungen, wie beispielsweise Depressionen oder Ängste, bemerkbar. Ein verdrängtes traumatisches Erlebnis ist etwas, das nicht in die Persönlichkeit integriert ist. Es steht sozusagen ausserhalb. Die Seele will das Erlebnis integrieren und macht durch das Symptom darauf aufmerksam, dass es etwas Unerledigtes gibt. Ein Trauma ist eine unerledigtes Erlebnis aus der Vergangenheit. Diese Unerledigte kann aus der Kindheit stammen, es kann ein traumatisches Geburtserlebnis sein, wie z. B. eine Zangengeburt oder andere Komplikationen, es kann ein Erlebnis aus der Zeit im Mutterleib sein, während der Zeugung oder aus vergangenen Leben.
Nur wenn das Verdrängte ins Bewusstsein kommt, kann Heilung geschehen.
Für das Unterbewusstsein existiert keine Zeit. Ein Erlebnis kann vor zehn Jahren, vor fünfzig Jahren oder vor dreihundert Jahren passiert sein, wenn etwas dabei unerledigt geblieben ist, dann macht die Seele durch ein Symptom darauf aufmerksam. Wenn man das unerledigte Erlebnis bearbeitet, können Integration und Heilung geschehen. Traumatische Erlebnisse, die verdrängt wurden, neigen zur Wiederholung. Solange das Erlebnis unbearbeitet ist, können ständige Wiederholungen stattfinden. Eigentlich will die Seele das Trauma heilen. Deshalb gibt es die Wiederholungen. Denn nur wenn das Verdrängte ins Bewusstsein kommt, kann Heilung geschehen. In der Realität ist es aber oft so, dass ein Mensch zwar bemerkt, dass sich gewisse Symptome oder Situationen in seinem Leben wiederholen, er versucht aber wiederum, die Symptome zu unterdrücken oder die Situationen zu vermeiden.
Bei einem Menschen, der beispielsweise unter chronischen Halsschmerzen leidet, kann es gut sein, dass er in seiner Kindheit ein Erlebnis hatte, bei dem er stark gewürgt wurde, dass er bei der Geburt die Nabelschnur um den Hals hatte und in einem vergangenen Leben durch Erhängen den Tod fand. Es ist faszinierend zu entdecken, dass jede Seele ihre eigenen Themen hat und eine eigene – ich möchte fast sagen – Logik in ihrer Entwicklung sichtbar wird. Man findet immer einen Zusammenhang zwischen verschiedenen wichtigen Ereignissen aus der Vergangenheit und der gegenwärtigen Lebenssituation. Wenn uns solche tiefen Zusammenhänge und Verknüpfungen sichtbar werden, bekommen wir manchmal eine Ahnung von der Genialität und Grandiosität der Schöpfung und der menschlichen Seele.
Des öfteren werde ich gefragt, ob es nicht belastend oder gefährlich sein kann, Menschen in traumatische Situationen aus der Vergangenheit zu führen. Im Grunde genommen ist genau das Gegenteil der Fall: das, was oft gefährlich oder belastend ist, ist das Symptom, das der Mensch entwickelt hat, und das ihm zeigt, dass ein Teil von ihm in der Vergangenheit feststeckt. Wenn ich einen Menschen dorthin führe, wo es ein Trauma gegeben hat, dann hole ich den Teil seiner Persönlichkeit, der dort feststeckte, heraus. Das heisst, dadurch wird ein Mensch nicht in die Vergangenheit hineingeführt, sondern im Grunde genommen herausgeführt. Wenn das geschieht, dann gibt es Heilung. Symptome und Störungen können sich auflösen, der Mensch gewinnt an Lebensqualität und kann besser im Hier und Jetzt leben als zuvor.
Manchmal wird nicht das Erlebnis eines Übergriffes als solches verdrängt, sondern die damit zusammenhängenden Gefühle und die eigentliche Bedeutung des Übergriffes.
Babette ist eine junge Frau von 22 Jahren. Sie hat seit Jahren keine Regelblutung mehr gehabt. Sie erzählt, sie habe eigentlich von Anfang an, also seit ihrer ersten Regelblutung, keinen regelmässigen Zyklus gehabt. Ich frage sie, was um dem Zeitpunkt ihrer ersten Regelblutung herum passiert ist, und es stellt sich heraus, dass es einen sexuellen Übergriff seitens einer männlichen Vertrauensperson gegeben hat. Das Erlebnis und seine Umstände waren für Babette traumatisch. Sie hat nicht das Erlebnis als solches verdrängt, aber die damit zusammenhängenden Gefühle und die eigentliche Bedeutung des Übergriffes für sie. In der Rückführung bearbeiten wir das Trauma. Endlich können die verdrängten Gefühle an die Oberfläche kommen: viel Schmerz und Trauer, aber auch Wut. Babette bringt all ihre verdrängten Gefühle aus sich heraus. Sie drückt alles aus, was in ihr festgesteckt hat. Ich bitte sie, all das zu tun, was sie damals nicht tun konnte. Sie wehrt sich, ihr Körper kann endlich die aufgestauten Impulse ausdrücken. Sie sagt: „Weg“ und drückt dieses „Weg“ mit ihrem ganzen Körper aus. Dann bitte ich sie, alle Teile von sich selbst zurückzuholen, die in der Situation geblieben sind, und dem Mann all das zurückzugeben, was sie von ihm aufgenommen hat.
Das ist bei Situationen von sexuellen oder sonstigen Übergriffen sehr wichtig, denn in solchen gibt es viel energetischen Austausch zwischen Täter und Opfer. Die eingedrungene Fremdenergie, egal ob diese die Form von Gedanken, Sätzen, Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Schlägen hatte, muss auf jeden Fall aus dem energetischen System des betreffenden Menschen herausgebracht werden. „Integration“ bedeutet, die Teile wieder dahinzubringen, wo sie hingehören, also die fremden Anteile aus sich herauszubringen und die eigenen Anteile wieder zurückzuholen.
Babette kommt vier Wochen später und ist ganz glücklich. Sie hat am gleichen Morgen ihre Regel bekommen. Ich freue mich mit ihr über diesen Erfolg. Das war im Februar diesen Jahres und seitdem bekommt sie ihre Regel alle vier Wochen. Jedesmal, wenn sie kommt, erzählt sie, dass sie ihre Regel nach 26 oder 27 Tagen bekommen hat. Auch Babette ist erstaunt, dass diese Heilung ganz ohne körperliche Untersuchungen und Medikamente stattfinden konnte.
Die obigen Beispiele zeigen, wie gross der Einfluss der Seele auf den Körper ist. Sie zeigen aber auch, wieviel Heilungspotenzial es gibt, wenn wir bereit sind, die seelischen Hintergründe von körperlichen Symptomen zu ergründen. Dann kann seelische Entwicklung stattfinden und Heilung geschehen. Aber oft erreichen wir nicht nur Linderung oder Heilung von Symptomen, sondern wir kommen uns selbst auch näher. Wir können uns selbst viel besser verstehen, wenn wir uns erinnern, was uns in der Vergangenheit passiert ist. Wenn wir unsere eigene Geschichte mit all ihren Licht- und Schattenseiten entdecken und integrieren, dann können sich ungeahnte Kraftreserven entfalten und dann stehen uns alle Facetten der eigenen Persönlichkeit zur Verfügung. Wenn dies geschieht, dann wird das Leben spannender, bunter und schöner.




